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Pädagogisches Begleitmaterial

DEUTSCHKURS wurde schon häufig in Schulen und Bildungseinrichtungen gezeigt. Nach unserer Erfahrung eignet sich der Film auch sehr gut für Kurse in Deutsch als Fremdsprache (DaZ/DaF) und Integrationskurse.

Hier gibt es pädagogisches Begleitmaterial für die Nutzung des Films im Unterricht. Die Beiträge werden fortlaufend erweitert.

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Von Syrien nach Bremen
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Amu Shahrooz: "Ich bin immer noch derselbe"
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Traum und Trauma
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Film im Film: "Life on the Border"
und"Flucht aus Syrien"
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Die Mitwirkenden

 

Von Syrien nach Bremen
Bericht von einer gefährlichen Reise

Meine Reise von Syrien nach Deutschland dauerte einen Monat. Sie fand im Sommer 2015 statt. Der Grund meiner Reise? Ganz einfach: In Syrien war Bürgerkrieg. Ich wollte niemanden töten und ich wollte am Leben bleiben.
Mit ein paar Leuten aus meinem Dorf fuhr ich zuerst mit dem Bus von Damaskus in den Libanon, nach Tripolis. Dort sind wir auf ein Schiff gestiegen – hinüber in die Türkei. Das Schiff war voller Menschen, die flüchten wollten, es war kalt, wir haben draußen gestanden, die Fahrt von Tripolis nach Mersin dauerte 12 Stunden.
Unser nächstes Ziel war Izmir, aber uns war klar, wo wir hinwollten: nach Europa! Einige wollten nach Holland, andere nach Schweden, viele nach Deutschland. Ich wollte nach Deutschland.
Zuerst aber mussten wir nach Adana, von da an ging es weiter mit dem Flugzeug nach Izmir.
In Izmir haben wir uns einen Menschenschmuggler gesucht. In Izmir gibt es viele solcher Leute. Man weiß nie, ob sie ehrlich sind oder ob sie lügen. 
Im Café hat uns jemand angesprochen und gesagt: „Ich kann euch nach Athen bringen.“ Wir sind zuerst nach Bodrum gefahren, dort sagte man uns: „Seid um drei Uhr morgens da, da ist nicht so viel Polizei herum. Wir können euch zur Insel Kos fahren.“ Das liegt schon in Griechenland. Jeder musste 1.000 Dollar zahlen. Das Boot war aus Gummi, es war ungefähr acht Meter lang und zwei Meter breit, mit einem kleinen Außenbordmotor, wir waren 52 Personen. Es war zum Glück warm. Unsere Überfahrt dauerte zweieinhalb Stunden.
Einer der Geflüchteten übernahm das Steuer, der musste für die Überfahrt nichts bezahlen. Aber wenn wir erwischt worden wären, wäre er dran gewesen: Dafür kann man bis zu zehn Jahre ins Gefängnis kommen.
Eine Woche waren wir auf Kos. Wir sind von da mit einem Fährschiff nach Athen gefahren, das dauerte mehr als 13 Stunden. In Athen haben wir uns entschlossen, auf eigene Faust an die Grenze nach Mazedonien zu fahren. Wir sind dann in die Wälder gegangen an der Grenze, hatten aber natürlich Angst vor der Grenzpolizei, Angst, dass wir, wenn wir gefasst würden, wieder zurück nach Griechenland geschickt würden, von dort in die Türkei usw., alles wäre umsonst gewesen.
Wir hatten uns ausgerüstet mit Sachen zum Essen und zum Trinken, hatten Decken dabei, nachts wurde es richtig kalt im Wald. In der Nacht sind wir über die Grenze. In Mazedonien haben wir uns ein paar Räder gekauft, denn in Mazedonien darfst du die öffentlichen Verkehrsmittel nicht benutzen. Wenn der Fahrer eines Busses oder Privatleute, so haben wir gehört, dort Flüchtlinge mitnehmen, droht ihnen eine Gefängnisstrafe. Wir sind mit den Fahrrädern in fünf Tagen bis zur Grenze nach Serbien gekommen.
Jede Grenze ist eine eigene Geschichte. Wieder haben wir uns im Wald versteckt. Überall gabt es technische Geräte, mit denen Geräusche wahrgenommen werden konnten. Zum Glück wussten wir genau, wo wir waren, und konnten die Grenzposten sehen. Wir haben Google Maps benutzt und haben in Facebook nachgefragt: „Wir sind an dieser Stelle, was machen wir jetzt?“ Und dann haben uns ganz viele geantwortet: „Dann geht ihr da und da hin …“ Wir haben es geschafft und waren in Serbien.
Die Grenze nach Ungarn ist die schwierigste Passage. Dem Schmuggler, den wir gefunden haben, musste jeder von uns 500 Dollar geben, aber er hat uns angelogen. Er sagte: „Ich reserviere für euch Zimmer in einem Hotel und am nächsten Tag um fünf Uhr gehen wir dann über die Grenze.“ Aber er kam nicht. Wir haben dann nach jemand anderem gesucht. Wir hatten ja keine Alternative, sonst hätten wir in Serbien bleiben müssen.
Ganz nahe an der Grenze allerdings wäre unsere Flucht fast zu Ende gewesen. Wir wurden von einem serbischen Polizisten aufgegriffen: „Die Ungarn haben euch schon mit einer Wärmekamera gesichtet. Ihr müsst hierbleiben, andernfalls muss ich auf euch schießen. Ihr bleibt hier, ich hole inzwischen einen Wagen und meine Kollegen, um euch wieder zurück nach Belgrad zu bringen.“ Wir sollten uns alle auf den Boden hocken und auf ihn warten.
Das wollte ich natürlich nicht. Ich habe meinen Rucksack gut verschnürt, dann bin ich einfach losgelaufen. Er hat auf mich geschossen, so in die Luft geschossen, aber ich bin weitergelaufen auf einen Wald zu, in dem ich mich versteckt habe. Ich habe überall Polizei gehört. Ich habe dagesessen und gewartet.
Schließlich habe ich eine Familie gefunden, die auch über die Grenze wollte. Es ist einfach sicherer, mit einer Familie zu fliehen. „Komm mit uns“, haben sie gesagt.
Leute, die den Weg vor uns gegangen waren, hatten uns auf Facebook geschrieben, dass wir hinter der Grenze Taxis finden würden. Jemand rief mir zu: „Taxi nach Budapest!“ Erst nachdem wir im Wagen waren, haben wir gemerkt, dass das Auto zur Polizei gehörte. Fünf Tage mussten wir im Gefängnis bleiben. Im Gefängnis sind wir schlecht behandelt worden, wir haben fast kein Essen bekommen, ein oder zwei Croissants täglich und eine kleine Flasche Wasser, wir mussten unsere Fingerabdrücke dalassen, vielleicht weil sie dafür Geld bekamen bei der UN. Man hat uns eine Adresse genannt, bei der wir uns melden sollten, aber wir wollten ja nicht in Ungarn bleiben.
Von Budapest wollte ich einen Zug nach Österreich nehmen, aber im Bahnhof wurde streng kontrolliert, Geflüchtete durften keinen Zug besteigen. Endlich haben wir jemanden gefunden, der uns in der Nacht von Budapest gleich bis nach Deutschland gefahren hat. Wie lange wir dafür gebraucht haben, weiß ich nicht mehr, ich war total kaputt, müde und hungrig.
In einem Wald bei Passau hat er uns abgesetzt und gesagt „Wir sind jetzt in Deutschland!“ und ist dann schnell wieder zurückgefahren. Wir haben jede Begegnung der Polizei vermieden und sind dann am Morgen mit dem Bus nach Berlin gefahren. Ich hatte gelesen, dass in Bremen und Hamburg die Prozeduren einfacher sind. Und dann sagte ein Freund: „Ok, lass uns nach Bremen fahren.“ So sind wir nach Bremen gekommen. Alles in allem habe ich etwa 2.800 Euro bezahlt. Von den Leuten, mit denen ich losgezogen bin, war keiner mehr dabei, die einen sind jetzt in Holland, die anderen in Schweden.
Das ist die Geschichte meiner Reise.
W. S.


(Der Autor ist regelmäßiger Gast im Café International der St. Remberti Gemeinde Bremen und studiert an der Hochschule in Bremen.)

Aus: Remberti Nachrichten, Gemeindebrief der St. Remberti Gemeinde Bremen, Juni-Juli-August 2021
 

 

 

 

MAN HANOUZ HAMUNAM - Ich bin immer noch derselbe

 

Ich bin immer noch derselbe

Ich habe nicht so gut gelebt

Aber ich bin schnell alt geworden

Ich ging schon mit 13 Jahren zur Arbeit

Morgenarbeit

mit zwei Gläsern Schnaps in der Nacht

Ich wurde von zwei Kuchen satt

 

Ich bin immer noch derselbe

Ich bin der, der nicht zur Schule ging

Ich war anders, hatte viele Feinde

Mir geht es immer noch so

Meinen Eltern wünsche ich ein langes Leben

Ich verspreche immer noch,

nicht zu lange wegzubleiben

 

Ich bin der, der seinen Traum geträumt hat

Ich nahm den Bleistift und goss die Worte auf Papier

Es hat niemanden interessiert, wie es mir geht

Ja, ich bin immer noch der alte Shahrooz

 

Du bist eine neue Person,

wenn du dein Verhalten änderst

Aber nein, ich bin immer noch derselbe,

der seinen Traum mit seinen Händen verwirklichen will

Also nimm deine Hoffnung von Gott,

auch wenn du nicht weiterkommst

Er macht dich trotzdem glücklich

 

(Refrain)

Gott ist rücksichtsvoll

Auch wenn du verärgert bist

Mir geht es gut

Ich war nicht auf dem falschen Weg

 

Ich habe nichts falsch gemacht,

damit meine Beziehung zu Gott nicht schlecht wird

Bro, ja, ich bin immer noch derselbe

Ich kenne die Geschichte meines Lebens selbst

Du denkst vielleicht, ich bin verrückt

Wenn es mir schwer fällt zu reisen

Ich werde es zum Ziel bringen

 

Wenn das Problem auf mich zukommt

Bin ich nett zu ihm

Um herauszufinden, wer von uns der Held ist

 

Ich gehe mit einem schwarzen Set die Straße entlang

Jeder weiß, wer ich bin

Ich suche nicht nach Bösem

Aber viele machen es

 

(Refrain)

Gott ist rücksichtsvoll

Auch wenn du verärgert bist

Mir geht es gut

Ich war nicht auf dem falschen Weg

 

 

Text und Musik: Amu Shahrooz (Shahrooz Rasooli)

 

 

Traum und Trauma

Das Motiv des Traums zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Gleich zu Beginn sehen wir, dass Sami einen Alptraum hat, aus dem er erwacht. Die Lehrerin spricht im Unterricht darüber, wie im Deutschen Wünsche und Träume ausgedrückt werden. Und während sie das tut, hängen die Schüler*innen ihren Tagträumen nach, ihren Gedanken und Erinnerungen. Immer wieder wird gezeigt, wie einzelne aus Träumen aufwachen.

Aufgaben:

  1. Schaut den Film (noch einmal) an. Notiert jede Szene, in denen von Traum oder träumen die Rede ist oder jemand träumt. Gebt die genaue Zeit (hh:mm:ss) an und beschreibt die Szene.

  2. Welche Art von Träumen gibt es im Film?

  3. Was meint ihr: Sind Träume wahr? Was heißt das für euch?


Wenn jemand ein belastendes Ereignis oder eine Situation nicht bewältigen und verarbeiten kann, spricht man von einem Trauma (griech.: Wunde). Im Deutschen klingen die Worte Traum und Trauma ähnlich.

Aufgaben: 

  1. In einer Szene (beim Aufpumpen der Luftballons) fragt Dennis die anderen, was für sie das Schlimmste war, das sie bei ihrer Flucht erlebt haben. Wie reagieren die anderen auf diese Frage?

  2. Findet im Internet heraus, was genau eine „posttraumatische Belastungsstörung“ ist. 

  3. Welche Internetseite könnte hilfreich für jemanden sein, der oder die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet? Was können wir für unseren Umgang mit betroffenen Menschen daraus lernen?

 
 

Film im Film: "Life on the Border" und "Flucht aus Syrien"
 

Im Film DEUTSCHKURS werden Ausschnitte aus zwei Filmen gezeigt, an denen unsere Protagonisten beteiligt waren. Beide Filme sind sehr sehenswert und können für öffentliche oder Bildungsveranstaltungen zur Verfügung gestellt werden.

Ahmad Al Zoubi hat schon in Syrien mit seinem Smartphone gefilmt. Auch bei seiner Flucht hat er Aufnahmen gemacht und daraus seinen Dokumentarfilm FLUCHT AUS SYRIEN entwickelt. In DEUTSCHKURS sind die Szenen, in denen sich Ahmad an seine Flucht erinnert, aus seinem Film entnommen.
 

Sami Sleman hat in seiner Zeit im irakischen Flüchtlingslager Shingal  (Sindschar) an einem Filmprojekt des bekannten kurdischen Regisseurs Bahman Ghobadi teilgenommen, aus dem der Film LIFE ON THE BORDER entstanden ist.

Der Film ist in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung zu finden, daneben gibt es dort ausführliche Informationen über Jesiden, zu denen auch Sami und seine Familie gehört. 

In DEUTSCHKURS sind Bilder aus dem Flüchtlingslager eingeflossen. In der Alptraumszene zu Beginn wird gezeigt, wie im Fernseher im Zelt eine Szene zu sehen ist, die sich 2014 im irakischen Parlament abspielte: Vian Dakhil, die einzige Jesidin unter den Abgeordneten, fleht ihre Kollegen um Hilfe für ihre Glaubensgeschwister an - denn sie sind zu Hunderttausenden auf der Flucht vor dem Terror der Milizen des "Islamischen Staats".

 
Die Mitwirkenden

Die Hauptdarsteller*innen im Film DEUTSCHKURS sind die sechs jungen Menschen, die an einem Deutschkurs teilnehmen. Sie alle haben mehr oder weniger ihre eigene Geschichte in das Filmprojekt eingebracht.

Aufgaben:

​1. Schreibt auf, was wir im Verlauf des Films über die sechs jungen Menschen erfahren. Notiert euch

- ihren Namen und ihr Alter,

- was ihnen jeweils wichtig ist,

- was sie gern machen oder machen würden,

- wovor sie Angst haben, 

- wie sie versuchen, ihre Situation zu verbessern.

2. Könnt ihr euch und eure eigene Geschichte in einem oder einer von ihnen wiedererkennen? Wo geht es euch genauso? Worin unterscheidet ihr euch von ihnen?

3. Was glaubt ihr: Welche Geschichten sind wirklich so passiert? Welche sind für den Film erfunden?

 

Es gibt einen Film, in dem sich die Mitglieder des Filmprojekts vorstellen und auch darüber berichten, was ihre Rolle mit ihrem wirklichen Leben zu tun hat. Wenn ihr Frage 3 beantwortet habt, erfahrt ihr dort, ob eure Antwort stimmt.